Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum 4. Adventssonntag - 20.12.2020
Diakon Dieter R. Kirchmair

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Wir saßen zu Fünft mit Maske und großem Abstand zusammen, vorschriftsmäßig war der Raum vorher intensiv gelüftet worden. Unsere Aufgabe war es Ideen und Projekte zu sammeln, die wir in 2021 umsetzen wollen. Das Gespräch verlief eher zäh, die Vorschläge wurden häufig mit dem Satz "ja, wenn uns Corona lässt" kommentiert.

Auch ich selber fiel zunächst nicht wirklich durch lebendige Beiträge auf, bis mich einer der Teilnehmer direkt ansprach, als ich auf Weihnachten und andere kirchliche Feste zu sprechen kam, wo wir Christen aus dem Glauben immer wieder neue Kraft schöpfen dürfen.

"Auch sie leben doch immer aus der Vergangenheit" - wurde mir da entgegengehalten -, wie wollen sie uns denn da eine mitreißende Vision vermitteln? Ist es nicht so: Die Christen feiern Ereignisse, deren Ursprung lange zurückliegt und die eigentlich mit unserem Leben heute - mit Corona, Pandemie, mit Millionen Infizierten und tausenden von Toten, nichts zu tun haben. 

Wenn wir jetzt über 2021 nachdenken - wie zuversichtlich können sie da, nach dem bedrückenden Jahr 2020 sein? In diesem Jahr fiel doch Ostern praktisch aus und auch an Weihnachten beschränkt die Politik den Kirchenbesuch auf wenige Gelegenheiten. 

Die Welt wird sich - das ist wohl sicher - unabhängig vom religiösen Geschehen weiter drehen. Die Wirtschaft wird Mittel und Wege finden, um sich neu zu definieren. Auch der Konsum der Menschen wird sich zwar ändern, aber z. B. via online doch stattfinden. Und sie, lieber Diakon, müssen doch angesichts dieser harten Realität einsehen, dass auch sie neu denken müssen.

Verehrter Tischnachbar, sie haben ja in manchem Recht. Aber auch wir Christen leiden unter der Pandemie und "ja" auch wir denken über neue Wege nach. Aber - sie sind ja auch getauft - was sind denn die Grundfesten unseres Glaubens? GOTT ist Mensch geworden - Weihnachten - dieser Jesus von Nazaret ist für uns Menschen gekreuzigt worden - und am dritten Tag auferstanden. Seitdem steht für uns Menschen der Weg zu GOTT in die Ewigkeit wieder offen. Das aber bedeutet doch: Wir glauben an das ewige Leben und damit an unsere Zukunft.

Ist denn das Kirchenjahr, sind denn unsere religiösen Feste Stolpersteine? Behindern sie uns Menschen in unserer Besinnung auf das Jetzt und die mögliche Zukunft? Ich wage zunächst eine kurze Antwort: Wir folgen Christus dem Auferstandenen; Jesus Christus ist unsere Zukunft, denn ER hat uns den Weg in die Ewigkeit geebnet.

Also sind Weihnachten oder auch Ostern - weil dieses Geschehen über 2-tausend Jahre zurückliegt, Stolpersteine bei den Gestaltung unserer Zukunft? Ganz sicher nicht! Aber der Tischnachbar hat Recht, wir sind gerufen angesichts der Realität z. B. der Pandemie und daraus erwachsender Folgen neu zu denken. Unser Glaube an den Schöpfer und unseren Herrn und GOTT, Jesus Christus, dieser Glaube ist der feste Boden auf dem wir unser Leben gestalten und unser Kirchenjahr mit seinen Festen bietet uns die Wegmarken, die uns den rechten Weg finden lassen. Liebe Christen!  Weihnachten, das Kind in der Krippe, signalisiert unsere Zukunft.

Dieses auch von uns geforderte neue Denken braucht zunächst aber eine Bestandsaufnahme:

+ Wo stehen wir?

+ Weshalb sind wir Mitglieder einer christlichen Gemeinde?

+ Worin liegen unsere Aufgaben, unsere Ziele 

+ Wohin sind wir unterwegs 

+ Warum glauben wir?  Welchen Sinn / welches Ziel hat der Glaube für unser Leben?

Wenn unser Glaube nicht im "Hier" und "Jetzt" konkret wird, d. h. für uns und unsere Mitmenschen sichtbar, spürbar und auch erfahrbar, verkommt er, verkommen unsere kirchlichen Feste - verändern sich der Advent und auch die Krippe zum ausschließlichen Ritual, zur Glorifizierung der Vergangenheit. Verändert sich unser religiöses Leben zu einem Glauben der vielleicht noch die Außenfassade mehr oder weniger aufrecht erhält, der uns aber im realen Leben nicht mehr wirklich ausfüllt.

Bleibt sicher die Frage, kehren unserer Kirche vielleicht auch deshalb so viele Mitbürger so viele unserer Freunde und Nachbarn den Rücken zu, weil unser kirchliches Leben überwiegend aus der Tradition besteht, inhaltlich aber dem aktuellen Geschehen nicht mehr gerecht wird?

Es liegt an uns, an jedem einzelnen von uns, in diesen Advents- und Weihnachtstagen unsere Mitmenschen für "das göttliche Kind" und damit für eine lebenswerte Zukunft zu gewinnen.

Die Höhepunkte in unserem Glaubensleben - Weihnachten und auch Ostern helfen den Menschen, unseren Glauben an den dreifaltigen Gott im Hier und Jetzt besser zu erleben und zu verstehen. Aber: wir müssen uns der Frage - Christ wofür stehst du? - ganz aktuell stellen, denn die Antworten finden wir nicht in der Vergangenheit, sondern u.a. jetzt gerade in diesem Gottesdienst am 4. Advent. Wir sind Christen, wir freuen uns über Weihnachten, den Geburtstag Jesu, diese Freude aber gilt es mit Begeisterung zu leben und unseren Mitmenschen zu vermitteln.

A m e n 

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