Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum 4. Sonntag im Jahreskreis - 03.02.2019
Diakon Dieter R. Kirchmair

Liebe Christen!

Wir kennen doch alle die Frage: Kennst du den näher? Was ist das denn für ein Mensch? Wie denkt der so im Allgemeinen? Wo erfahren wir denn Näheres über ihn? Kennen wir eventuell Freunde von ihm oder wissen wir welche Bücher er gerne liest, und ähnliches. Für uns Christen ist die Heilige Schrift so etwas Besonderes, sie nämlich berichtet dicht gedrängt über Jahrtausende alte GOTTES-Erfahrungen und Gefühle der Menschen.

Nehmen wir das heutige Evangelium, dort lesen wir eine tiefgründige Studie über den Menschen, und vor allem auch über sein Gruppenverhalten. Die Ausgangslage ist eine große Aufregung unter den Bürgern der Stadt Nazareth. Die Menschen reden miteinander über ein besonderes Ereignis:

Und Jesus kommt tatsächlich. ER betritt die Synagoge, der Vorsteher reicht ihm die Tora und ER legt das Wort der Schrift in einer Weise aus, dass alle ergriffen werden. Er berührt sie durch seine Worte über GOTT, den Vater, und scheint sie in ihrem Inneren zu treffen.

Doch dann dreht die Stimmung, die Erwartungshaltung hat sich massiv hochgeschaukelt. Worte allein, das genügt den Bürgern von Nazareth nicht mehr, sie wollen mehr. ER soll jetzt doch ein ganz besonderes Wunder wirken. Das ist er uns, seinen Mitbewohnern aus Nazareth, doch schuldig. Doch dann sagt er auch noch, dass er ganz genau ihre Erwartungen erahnt. Sie aber haben kein Anrecht auf ein Wunder. Denn GOTT lasse sich nicht drängen.

ER hat ja gut gesprochen in der Synagoge. Aber wo bleibt „unser“ Wunder? Überall zeigt er sich mächtig, nur hier bei uns nicht! Sind wir in seiner Heimatstadt so unbedeutend? Und als dann wirklich nichts kommt, geraten sie in Wut und wollen ihn zur Stadt hinaus jagen. „ER aber schritt mitten durch sie hindurch.“

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder,

überhöhte Erwartungen sind oft eine Falle, in die jeder ab und zu hineingeraten kann. Vor wenigen Wochen an Weihnachten konnten wir dies verschiedentlich beobachten. In vielen Familien prallten die Erwartungen so sehr aufeinander, wurden so manche so sehr enttäuscht, dass der Abend mit heftigen Verstimmungen, statt in familiärer Harmonie endete.

Ganz ähnlich ist es im Übrigen mit unseren guten Vorsätzen für das neue Jahr. Wenn wir uns zu viel vornehmen, dann können wir schnell enttäuscht werden und resignieren.

Vermutlich bin ich mit meiner Beobachtung nicht allein: Je älter die Menschen werden, desto vernünftiger werden ihre Vorsätze und irgendwann nehmen sie sich gar nichts mehr vor. Frei nach dem Sprichwort: Wer sich nichts vornimmt, kann auch nicht enttäuscht werden. Aber man wird angenehm überrascht, wenn von den geheimen Vorsätzen etwas unerwartet Besonderes eintritt.

All diese Erkenntnisse beantworten aber unsere insgeheime Frage nicht. Was will uns der Evangelist mit dieser Erfahrung Jesu vermitteln? Der Spruch, der Prophet gilt nichts in seiner Heimat, den kennen wir alle.

Ich denke:

Über Enttäuschungen aber wird uns meistens hinweggeholfen, wenn wir folgende Weisheit beherzigen:

„Wenn deine Pläne einmal durchkreuzt und deine Erwartungen enttäuscht werden, dann weist dir dein Engel oft einen ganz anderen Weg, auf dem dir zu deiner eigenen Überraschung die Erfüllung einer Erwartung entgegenkommt auf die du schon so lange gehofft hast.“

A m e n !!

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