Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum 2. Sonntag im Jahreskreis - 20.01.2019
Diakon Dieter R. Kirchmair

Verehrte Schwestern, liebe Brüder!

Warum gibt es unsere Kirche? Wodurch lebt sie?

Was für ein Bild habe ich von meiner Kirche?

Warum brauchen wir sie?

Jeder Mensch braucht Sinn und Orientierung. Da ist das Wort GOTTES, das in Jesus Mensch geworden ist, die alternativlose, unüberbietbare gute Botschaft.

Der Apostel Paulus hilf uns mit seinem Brief an die Gemeinde in Korinth – aus dem wir eben einen entscheidenden Abschnitt gehört haben (1 Kor.12,4 ff) – Paulus hilft uns bei unserem Suchen nach dem Sinn und Ziel der Kirche.

Solange wir die Kirche nur als Organisation und Institution sehen und erleben, teilt sie das Schicksal anderer ähnlicher Einrichtungen. Dann würde man sie eben brauchen wie z.B. Parteien oder Gewerkschaften. Einige engagieren sich dann in den Gremien und Gruppen der Gemeinden nach Kräften, aber die meisten denken, ich bin zwar gläubig und religiös, aber – abgesehen von gelegentlichen Gottesdienstbesuchen – beschäftigt mich Kirche im Grunde nicht wirklich. Ein häufiges Argument lautet: Die da oben in der Diözese oder auch in Rom machen das schon; ich kann dort ja ohnehin nichts bewirken.

Anders sieht das aus, wenn für mich Kirche eine Wirklichkeit ist, in der ich aktiv lebe. Wenn ich merke, hier gibt es Antworten und Wegweisungen für meine GOTT-Suche, hier werde ich ernst genommen und werde gebraucht, hier bin ich Zuhause.

Da ist dann keine Rede von Institution, vom kirchlichen Gesetzbuch, von hierarchischen Strukturen. Paulus spricht in seinem Brief an seine Freunde in Korinth von dem, was er erlebt. Menschen nämlich werden vom Geist begabt und erfüllt. Der Geist bewirkt Einsichten und Weisheit, Heilkräfte und ergreifende Worte des Glaubens, ER befähigt, Wunder zu wirken oder auch prophetisch zu reden.

Eigentlich klingt dies alles so einfach, doch diese Vielfalt zu leben, ist nicht einfach!! Denn wir alle erfahren es immer wieder: wir Menschen sind kompliziert.

Schon der Apostel musste dafür kämpfen, dass sich die ‚vielen Gaben‘ des Geistes GOTTES und die ‚vielen Glieder‘ am Leib Christi frei entfalten können. Paulus argumentierte vom Geist her: Zur Vielfalt sind wir Menschen von GOTT bestimmt. Das ist z. B. die positive Seite unserer sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘: da kommen ganz unterschiedliche Menschen mit ganz anderen, uns fremden Lebensauffassungen zu uns und wir sind vor allem ängstlich, und dennoch lernen wir aufs Neue: die menschliche Gemeinschaft lebt aus der Vielfalt. Wir haben nicht nur neue Aufgaben, die uns mehr oder weniger belasten, wir werden auch über die Maßen bereichert. Der Glaube nämlich motiviert uns, unsere Beziehungen zu den Menschen, die wir als GOTTES Kinder verstehen, zum Nutzen aller einzusetzen.

 

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Die Kirche kann nicht gemacht werden. Kirche ist – ungeachtet aller menschlichen Unzulänglichkeiten die wir dort immer wieder erleben – ein Geschenk GOTTES. Gewirkt durch den einen Geist sind wir – ja, auch wir hier in St. Franziskus – ganz konkret Kirche. Andererseits aber ist keine Pfarrgemeinde auf sich allein gestellt. Sie ist eingebettet in die weltumspannende, vom Geist GOTTES begleitete, Gemeinschaft der Gesamtkirche.

Das bekräftigt Paulus mit dem Bild von der Kirche als dem einen, lebendigen Leib und seinen Gliedern. Christus – unser Herr – ist das Haupt, durch IHN wird der gesamte Leib zusammengefügt und gefestigt. Jedes einzelne Glied ist ein unverzichtbarer Teil des mystischen Leibes „Kirche“; Hände aber sind Hände und nicht dafür bestimmt Augen oder Ohren zu sein, so wie Füße Füße sind. Mit anderen Worten wir brauchen keine Angst vor der Vielfalt haben, jedes Glied ist Teil des Ganzen und mit seinen ihm eigenen Fähigkeiten unverzichtbar für den ganzen Leib.

Aber:

Um zusammen arbeiten und zusammen wachsen zu können, müssen wir toleranter sein, weil alle Glieder des Leibes mit ihren jeweils unterschiedlichen Fähigkeiten gebraucht werden und das jeweils einzelne Glied die anderen nicht dominieren oder ersetzen kann und darf:

Der Dienst eines jeden einzelnen von uns ist für das Ganze unverzichtbar. Die Gnadengaben bedeuten immer auch „Aufgaben“. Gnade ist immer etwas, was uns – jeden einzelnen von uns – befähigt und motiviert.

In unserer Gemeinde, in St. Franziskus, wird geglaubt, gehofft und geliebt. Indem der eine Geist jeden von uns durch Gnadengaben befähigt, sind wir als Ganzes befähigt, die uns zugemessenen Dienste und Aufgaben in der Gemeinschaft der Pfarrgemeinde zu erfüllen. Wir dürfen immer wieder neu entdecken, wozu die Einzelnen begabt sind, was sie zum Wohle unserer Gemeinschaft einbringen können. Wobei in diesem Zusammenhang für uns Christen essentiell wichtig ist: Es gibt keinen unbegabten Menschen! Der Geist wendet sich jedem zu, und zwar so, dass alle durch die,  dem Einzelnen zugemessenen Gaben und Talente, einen persönlichen wie auch gegenseitigen Nutzen haben.

Ich will hier gerne den Gedanken einbringen, dass dies auch für die im Herbst anstehende Zusammenführung unserer Gemeinde mit der Gemeinde Christkönig zutrifft. Wir herzlich eingeladen, um die Gaben des Geistes zu beten, damit alle in unseren Gemeinden den Segen des künftigen Miteinanders erkennen und ihn dann auch aktiv leben können. Es wird in Zukunft alles davon abhängen, ob wir unter uns diese göttlichen Gaben bei jedem Einzelnen entdecken und für die Gemeinschaft der Gläubigen zur Wirkung bringen können. Nur dadurch, dass jeder die ihm durch den Geist verliehenen Gaben einbringt, lebt der ganze Leib Christi, lebt jeder einzelne Gläubige, lebt unsere Kirche.

A m e n !!

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