Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum Fest der heiligen Familie - 30.12.2018
Msgr. Anton Schmid

Unser menschliches Leben verläuft nicht immer geradeaus und auf ebenem Weg. Da gibt es überraschende Kurven, Sackgassen und Hindernisse, die das Leben schwer machen. Es gibt Ereignisse und Situationen, die wir nicht verstehen. Aber das dürfen wir sicher wissen: Wir werden geführt und sind nicht dem Zufall ausgeliefert. 
 
Dies zeigt uns auch das Leben der Heiligen Familie. Gott hat es ihr auch nicht leicht gemacht: Zuerst eine beschwerliche Reise der schwangeren Maria über das Gebirge von Judäa nach Bethlehem, dann die Verweigerung einer Unterkunft für das Paar, dann die Niederkunft von Maria in einem Viehstall, dann die  Flucht ins Ausland nach Ägypten, weil das neugeborene Kind von Ermordung bedroht ist. Dies klingt heute wie eine schöne Geschichte, für das Paar war es aber harte Wirklichkeit und große Not. Gott hätte für sie sicher ein leichteres Los planen können, vielleicht ein behagliches Leben in Bürgerlichkeit oder die Geburt in einem Königsschlosss. Aber Gott wollte, dass sie das Leben und die Not aller Familien teilten. Wie viele Familien sind heute auf der Flucht und haben kein Dach über dem Kopf, wie es jetzt wieder durch den Tsunami in Indonesien geschehen ist. Das Leben der Heiligen Familie kann viele heutige Familien trösten, ihnen Mut machen und ihnen sagen, dass sie auf dem rechten Weg sind, auch wenn Vieles nicht geradlinig läuft. Wir werden geführt von einer gütigen Hand, auch wenn wir vieles nicht verstehen. 
 
Im Evangelium hörten wir von der Kindheit Jesu und eine Momentaufnahme aus seiner Jugend. „Er wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“ Als er 12 Jahre alt war, vielleicht in der Pubertät: „Er blieb in Jerusalem, ohne dass seine Eltern es merkten“. Dazu passt seine Antwort: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muß, was meinem Vater gehört“? Dies klingt schon fast vorwurfsvoll oder gar frech. Ähnliches müssen auch die Eltern heute ertragen, wenn ihre Kinder groß werden und an Selbständigkeit gewinnen. Dies kann Eltern schmerzen, aber die Heranwachsenden müssen immer mehr Verantwortung übernehmen. Auch Jesus musste immer mehr in seine Sendung hineinwachsen, die ihm der Vater mit auf den Weg gegeben hat. Menschlich war er von seinem irdischen Vater und seiner Mutter Maria geprägt, die ihn in das Brauchtum und die Religion ihres Volkes Israel eingeführt haben. Wie alle Kinder war auch er erzogen und geprägt  von seinen Eltern, bis er sein Elternhaus verließ. Dann setzte er sich von ihnen ab und begann sein öffentliches Wirken, was seine Eltern nicht verstanden haben.
 
Jesus ist also in einer Familie herangewachsen. Er selbst gründete keine Familie. Statt dessen verkündete er Gott als unseren Vater im Himmel, unsere Gotteskindschaft und die Geschwisterlichkeit aller Menschen. Aber ohne den Grundstock in seiner Familie hätte er seine Aufgabe nicht erfüllen können. Wer Liebe in seiner Familie erfahren hat, kann auch Liebe weiterschenken. Wer den Glauben in seiner Familie kennengelernt  hat, der hat einen Schatz für das ganze Leben gefunden. Aber auch dort, wo es nicht so harmonisch zugeht, wo die Familie kämpfen muß um ihren Zusammenhalt, können Kinder wesentliche Erfahrungen machen. Gemeinsam soll eine Familie alle Herausforderungen durchstehen, und die Einzelnen sollen sich aufeinander verlassen können. Alle sollen Verantwortung füreinander tragen. 
 
Liebe Christen!
 
Wenn ein Kind einsam auf einer Straße steht, wird es gefragt: „Wem gehörst du denn? Wer sind deine Eltern? Wo wohnst du?“ Wenn das Kind eine Antwort gibt, kann es zurückgeführt werden. – Ich darf Sie auch fragen: Wem gehörst du? Der Brief des hl. Johannes gibt uns heute die Antwort: Ich gehöre zur Familie Gottes. Jesus ist mein Bruder. Unsere Familie ist groß. - Und wie wird man ein Mitglied der Familie Gottes? Sicher nicht durch eine biologische Geburt. Wer an Gott glaubt  und getauft ist, wer liebt und sich darum bemüht, der gehört zu uns, zu einer Heiligen Familie. Amen 
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