Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum Stephanstag – 26.12.2018
Diakon Dieter R. Kirchmair

Liebe Schwestern, liebe Brüder!

Immer wieder werde ich gefragt, passt denn der Gedenktag des Hl. Stephanus zum zweiten Weihnachtstag. Wir alle haben doch noch die sanften Weihnachtslieder im Ohr, da fliegen dann schon Steine auf einen Diakon und fließt Blut – und das im Namen der Religion, also im Namen GOTTES.

Stephanus wird gesteinigt, weil er ein anderes religiöses Bekenntnis hatte als die offiziellen Vertreter des jüdischen Volkes. So wie er von GOTT spricht und wie er Jesus von Nazareth verkündet, das will man nicht hören. Das stört! Der sicherste Weg aber, einen der stört, loszuwerden, ist ihn umzubringen.

Ja, diesen Stephanus mit seinem (Irr-) Glauben an diesen Jesus, den will man nicht unter sich haben. Und so wird er das erste Opfer um des Namens Jesu willen, der 1. Märtyrer der Kirche.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass im Namen GOTTES oft genug großes Unheil über die Menschen gebracht wurde – und auch noch immer wird.

Nur gut, dass wir Christen gelernt haben, dass Kriege im Namen GOTTES nie und nimmer heilig sein können, sondern immer unheilig sind!

Nur der Friede ist heilig, denn er kommt – wie wir aus dem Weihnachtsevangelium wissen – von GOTT. Dort – in Betlehem –  wurde der Friede bei der Geburt des Gottessohnes den Hirten verkündet und den Menschen guten Willens.

Stephanus verehren wir als einen Menschen guten Willens, als einen Menschen des Friedens. Er verzichtete auf Gewalt – auch wenn er selbst ein Opfer von Gewalt wurde. Er betete für seine Feinde und er starb, wie sein großen Vorbild – Jesus, mit den Worten auf den Lippen: Herr rechne ihnen diese Sünde nicht an.

Aber wo Menschen, so wie Stephanus, bereit sind, Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten, sondern die Spirale von Hass und Gewalt zu durchbrechen, da ist der Himmel offen.

Es steht trotz allem noch immer die Frage im Raum, wie passt der Stephanus Gedenktag zum 2. Weihnachtstag.

Der Friede, den Jesus gebracht hat, ist kein Kuschel-Friede, er bedarf vielmehr stark ausgeprägten Wollens. Und Friede gibt es letztlich nur dann, wenn GOTT der Ausgangspunkt ist und ihm die Ehre erwiesen wird.

GOTT aber ehren wir dann, wenn wir sein Ebenbild, den Menschen, achten; wenn wir jeden Menschen respektieren, egal welche Nationalität, welche Hautfarbe er hat und welcher Kultur oder Religion er angehört.

Diese Achtung vor dem anderen hat natürlich auch ihren Preis. Jesus und auch Stephanus haben einen sehr hohen Preis bezahlt. Auch wir sind Zeugen einer christlichen, einer neuen Welt. Und unser Beitrag für den Frieden in der Welt könnte darin bestehen, dass wir achtsam sind im Reden über unsere Mitmenschen, besonders, wenn diese uns fremd sind – wie die Menschen, die in diesen Tagen bei uns Schutz und Hilfe suchen und wo uns erwartungsgemäß Demagogen verkünden, dass diese Menschen uns schaden und ausbeuten wollen.

Und dass wir dort, wo wir an unsere persönlichen Grenzen stoßen, ist es ratsam einfach einmal anzufangen, zu beten – für die, die so anders sind als wir, dass es uns vielleicht Angst macht – aber auch für uns selbst – um Gottes guten Geist, der weit und umfassend ist – und der den Himmel offen hält – uns – und allen, die mit lauterem Herzen ihren GOTT suchen – egal welche Hautfarbe sie haben und egal welcher Religion sie angehören.

Denn am Ende werden wir mit Sicherheit in diesem offenen Himmel erfahren, dass es tatsächlich

Amen!

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