Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache an Weihnachten
Msgr. Anton Schmid

An diesem Weihnachtsfest 2018 feiert die Kirche auch ein Jubiläum: Das bekannte Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ ist 200 Jahre alt. Im Jahre 1818 erklang es zum ersten Mal im Salzburger Land und begann seinen Siegeszug durch die Welt. Es wird heute in 380 verschiedenen Sprachen gesungen. Der Anfang war sehr unspektakulär: Der Priester Joseph Mohr aus Oberdorf bei Salzburg war sehr erschrocken sehr, als er in seiner kleinen Kirche feststellte,  dass die Orgel streikte, gerade am Hl. Abend, wo viele Leute zum Gottesdienst kommen. Sofort ging er  zum Lehrer und Organisten Franz Xaver Gruber und bat ihn, für  sein weihnachtliches Gedicht eine Melodie zu komponieren. Als die Mitternachtsmesse begann, war das Lied fertig. Nach der Messe sangen der Pfarrer und der Lehrer, begleitet von einer Gitarre, zum ersten Mal dieses Lied. Die Leute horchten auf und waren betroffen von dem gemütvollen Lied, das ihre Herzen erwärmte in einer kalten Winternacht. Der Text ist so einfach wie die Melodie, trifft aber doch den Kern von Weihnachten: „Christ der Retter ist da, Christ der Retter ist da.“

Noch weiter zurück als das Lied reicht der Geburtstag Christi, den wir heute feiern. Unbemerkt von der großen Welt ist er am Rand des römischen Weltreiches, das von Kaiser Augustus in Rom regiert wurde, geboren. Dieses Ereignis richtet unseren Blick auch auf unsere Gegenwart und in die Zukunft. Es spendet Licht denen, die in der Finsternis der Krankheit und des Todes leben, es schenkt Kraft den Schwachen und Hilfsbedürftigen, es ist gibt Orientierung denen, die nach dem Sinn ihres Lebens suchen, es ist der Urgrund der Gerechtigkeit und des Friedens, es schenkt Geborgenheit allen, die in Ängsten und Unsicherheit leben. -  Eine kleine Geschichte von dem Mystiker Meister Eckhart kann uns die Nähe Gottes deutlicher machen: Ein Priester grüßte einmal einen armen Bettler vor seiner Kirche mit den Worten: „Gott schenke dir einen guten Tag, Bruder!“ Dieser antwortete: „Ich hatte noch nie einen schlechten!“ Erstaunt fragte der Priester, wie dies möglich sei. Der Bettler antwortete: „Ich habe gelernt, in Gottes Gegenwart zu leben. Wenn es regnet oder schneit, wenn ich friere oder wenn schönes Wetter ist, dann danke ich Gott dafür, und so ist es ein guter Tag. Was er mir schickt, sei es Freude oder Schmerz, nehme ich an; denn ich weiß, dass es für mich das Beste ist. Darum kenne ich kein Unglück.“  Ein solches Gottvertrauen wünsche ich uns allen für das kommende neue Jahr. Gott liebt uns und will unser Bestes, auch wenn wir es oft nicht verstehen.

Die Weihnachtsbotschaft enthält auch einen Aufruf zum Frieden. Die Engel auf den Fluren von Bethlehem sangen: „Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede den Menschen seines Wohlgefallens.“ Darum gibt es das sogenannte Friedenslicht, das in der Geburtsgrotte von Bethlehem entzündet wurde und durch Boten auf dem Land, zu Wasser und in der Luft in die ganze Welt gebracht wird. Wir haben es auch in unserer Kirche auf einer Kerze und es wird sorgsam gehütet. Es kann auch mit nach Hause genommen werden. Von Bethlehem soll Friede in die ganze Welt ausströmen, in die Ehen und Familien, an die Arbeitsstätten, in die Parlamente, in Länder, wo Krieg ist oder Anschläge drohen.

Weihnachten ist auch ein Fest der Familie, denn die Heilige Familie Jesus, Maria und Joseph steht im Mittelpunkt. Durch ihre gegenseitige Liebe und ihren Glauben ist sie ein Vorbild für alle Familien. Trotz der vielen familienfeindlichen Strömungen der heutigen Zeit bleibt  die Familie der Grundstock des Staates und der Kirche. Dass einer Familie auch Gefahren drohen und sie auch stark gefährdet ist, zeigt schon der Tag nach Weihnachten, das Fest des heiligen Stephanus, der für seinen Glauben und für Christus gesteinigt worden ist. Ebenso das Fest der Unschuldigen Kinder am 28. Dezember, als König Herodes aus Angst vor einem Rivalen alle Knaben bis zu zwei Jahren töten ließ. Eine Erneuerung der Kirche und ein gesunder Staat müssen von der Familie ausgehen.

Noch ein letzter Gedanke. Das Weihnachtsfest ist auch ein Fest für die armen Leute. Christus ist arm geboren. hat arm gelebt und ist arm gestorben. Auf dem Weg von Nazareth nach Bethlehem haben seine Eltern keine Herberge gefunden, sodass Christus in einem Stall auf die Welt gekommen ist. Darum dürfen uns die Menschen, die heute Not leiden, nicht egal sein. Jeder Mensch hat als Ebenbild Gottes eine hohe Würde, auch wenn er noch so arm ist. Jesus hat sich durch seine Menschwerdung mit allen Menschen  solidarisch erklärt, besonderes mit den notleidenden. Wir kennen sein Wort: „Was ihr einem meiner Brüder und Schwestern getan habt, habt ihr mir getan.“ Unser Papst Franziskus ist mit seiner Liebe zu den Armen und Ausgegrenzten das beste Beispiel dafür. Er setzt sich zu Tisch mit den Bettlern von Rom ebenso wie mit den Staatsmännern und -Frauen der großen Welt. Darum hat auch das Adveniatopfer für unsere  ärmeren  Schwestern und Brüder in Süd- und Mittelamerika in der Weihnachtszeit seinen rechten Platz.  

Liebe Christen!

Weihnachten glänzt wie kein anderes Fest mit reichem Brauchtum, schönen Liedern und festlichen Speisen. Es geht aber darum, dass wir nicht an Äußerlichkeiten hängen bleiben, sondern zum Kern des Festes vordringen, wie es im Weihnachtslied heißt: „Christ der Retter ist da!“ Nur dies bringt  uns tiefen Frieden und bleibende Freude. Amen

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