Katholische Pfarrei

St. Franziskus

Augsburg - Firnhaberau

Gedanken zur Predigt

Ein Blog unserer Geistlichen mit ihren Gedanken zur Predigt.

Ansprache zum 33. Sonntag im Jahreskreis - 18.11.2018
Diakon Dieter R. Kirchmair

Verehrte Schwester, liebe Brüder!

Endzeitstimmung! (Mk 13,24-32)

Weltuntergang, verfinsterte Sonne, dunkler Mond, Sterne fallen vom Himmel; Weltgericht! - Endzeitstimmung!

Am Ende des Kirchenjahres werden die Schriftstellen immer düsterer: Vom Vergehen unserer Erde, der Sterblichkeit der Menschen und vom Wiederkommen Christi als Richter haben wir gehört.

An das unausweichliche Ende zu denken, das fällt den Menschen und auch uns Christen immer wieder schwer. Etwas sperrt sich in uns dagegen?

Am Anfang der Christenheit war das nicht so. Im Gegenteil. Die junge Kirche sehnte die Wiederkunft Christi inständig herbei, sie konnte sein Kommen kaum erwarten. Marana-tha!! Komm, Herr Jesus!! War ein damals sehr beliebter und mit tiefer Sehnsucht erfüllter Gebetsruf.

Das können wir Menschen heute uns fast gar nicht wirklich vorstellen. Statt der Freude auf das zukünftige Leben bei GOTT, die uns von unserem Herrn versprochenen himmlischen Wohnungen, macht sich bei uns  eher eine diffuse Angst breit, Angst vor den unvorstellbaren Dingen, die da kommen sollen.

Vermutlich ist es aber nicht nur die Angst vor der ungewissen Zukunft, die uns bewegt und das Bestreben, das Ende von allem irgendwie zu verdrängen. Vielmehr scheint es mir auch die Unsicherheit zu sein, wie ich mit meiner Vergangenheit vor meinen Herrn und Gott treten kann. Wie habe ich die mir anvertrauten Talente genutzt? Kann ich als guter und getreuer Knecht vor meinen Herrn treten?

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass wir uns – mich eingeschlossen – schon häufiger die Frage gestellt haben: Was würde ich denn eigentlich noch rasch tun wollen, wenn heute mein letzter Tag anbrechen würde. Zu wem will ich denn noch gehen, um etwas zu bereinigen, mich zu entschuldigen oder mich doch noch zu versöhnen. Wen sollte ich unbedingt noch besuchen und -- eigentlich möchte ich noch einmal durch meinen Garten gehen, ja und – ich habe doch schon länger nicht mehr – aus dem Herzen kommend – gebetet.

Ja, all dies wollte ich tun am letzten Tag:

Warum aber beginne ich damit nicht schon heute? Wir bringen nicht die Kraft auf, so zu sein, wie wir eigentlich sein wollen. Dies aber löst die Angst und die Furcht aus, weil wir unsere Unvollkommenheit erahnen und vielleicht sogar erkennen, die am letzten Tag offenkundig wird oder werden könnte.

Angesichts des unausweichlichen Endes der ganzen Schöpfung, aber auch eines jeden einzelnen von uns, sollten wir uns das vielleicht eingestehen, dass unser Leben wirklich unvollkommen ist. Wir alle bedürfen der Umkehr, des täglichen Neuanfangs, damit wir uns in unserer Haut wieder einigermaßen wohlfühlen können.

Unsere Mitmenschen scheinen mir da manchmal eine riesige optimistische, laute  und ausgelassene Gesellschaft zu sein, die es gar nicht gern hat, wenn man sie an den Kater erinnert, der unumgänglich nach diesem ausgelassenen Event kommen wird.

A b e r :

Ist denn das Evangelium über die Endzeit und das kommende Gericht – eine Drohbotschaft?

Für mich ist dieses Evangelium eher eine „Wach-mach-Botschaft“!

Die Schrift nämlich droht nicht mit einem bösen GOTT, der uns übel mitspielen will, vielmehr will sie uns sensibilisieren:

 

Verehrte Schwestern, liebe Brüder!

Das Leben ist zu wertvoll, um es nicht wirklich zu leben!

GOTT ist gerecht und treu, weil er gut ist. ER wird niemand zu kurz kommen lassen, ER wird niemanden übervorteilen. GOTT ist aber auch barmherzig, weil ER gut ist. ER wird jeden mit seiner gütigen und liebenden Zuwendung umgeben. ER wird all die vielen, tiefen Sehnsüchte, die Schwächen, die Leiden und das Bemühen in uns sehen und anerkennen.

Christus, der Herr, wird am Ende der Tage erscheinen, um Gericht zu halten. ER ist ein barmherziger und gerechter Richter. ER droht uns nicht. Vielmehr macht ER uns mit seiner „Frohen Botschaft“ Mut, unser Leben wirklich zu leben. Denn: ER will doch, dass wir das Leben haben und es in Fülle haben.

Wir sind in seiner Hand, aber nicht als Verlorene, sondern als Geborgene.

A m e n !

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